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12. November 2017

Der Papst und der Krieg

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Im Frühjahr 1917 entsandte Papst Benedikt XV. mit Eugenio Pacelli den wohl fähigsten Diplomaten der Römischen Kurie auf eine äußerst schwierige Mission. Als Nuntius in München sollte er eine groß angelegte päpstliche Friedensinitiative zur Beendigung des Ersten Weltkriegs vorbereiten.

Pacelli verhandelte mit Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und Kaiser Wilhelm II. vor allem über die Zukunft Belgiens. Denn wenn es gelingen würde, die belgische Frage zu lösen, wäre der Weg zu Friedensverhandlungen zwischen der Entente und den Mittelmächten frei. Mit diesem Erfolg im Rücken könnte, so die Hoffnung des Papstes, auch die seit 1870 schwelende „Römische Frage“ um den Kirchenstaat endlich auf internationaler Ebene gelöst werden.

Mit seiner auf den 1. August 1917 datierten Friedensinitiative „Dès le début“ („Seit dem Beginn“) rief Benedikt XV. die Regierungen der kriegführenden Länder zu einem Ende des „sinnlosen Schlachtens“ auf. Während die Antwort der deutschen Regierung entgegen Pacellis allzu optimistischen Einschätzungen auf sich warten ließ, lehnte die Entente den Papst als Friedensvermittler schlichtweg ab.

Zwar war spätestens mit der für Pacelli und den Papst enttäuschenden deutschen Antwort die Friedensinitiative praktisch gescheitert. Aber sie entfaltete eine bedeutende Wirkungsgeschichte: Die Lehre vom gerechten Krieg wurde hinterfragt, katholische Friedensbewegungen entstanden, und Pius XII. stand im Zweiten Weltkrieg erneut vor der Friedensfrage – und diesmal schwieg der Papst.

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